Freitag , 22 September 2017
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Ein leichter Druck macht den Unterschied – 3D Touch im neuen iPhone

Grundsätzlich viel hat sich beim iPhone 6s äußerlich nicht getan und in Apples Logik steht die Produktbezeichnung -s ja auch eher für die kleinere Updates. Dabei gibt es neben einem neuen Chipsatz und einem Modell in Rose Gold doch eine sehr wichtige Änderung und die liegt verborgen unter dem Display. 3D Touch bezeichnet Apple die Technologie, die nun nach und nach in alle Geräte des Computerriesen aus Cupertino integriert wird. Ganz konkret bezeichnet die Technologie eine neue Ära der Touchbedienung, denn nun interpretieren Apples iPhones Berührungen drucksensitiv.

Mit Peek, Pop und Quick Actions schneller durch das iPhone 6s

Ganz neu ist 3D Touch im neuen iPhone 6s nicht, die Apple Watch führte die Technologie bereits zu Beginn des Jahres ein und auch MacBooks (und neuerdings die Magic Mouse und das externe Trackpad) verfügen über drucksensitive Sensoren, die zwischen einer leichten Berührung und einem festeren Druck unterscheiden können – Wobei Apple bei der Mac-Reihe von Force Touch spricht.
3D Touch interpretiert daher vor allem die neue Druckrichtung der Tiefe, denn schließlich werden auch andere Multitouch-Gesten auf den iPhones und iPads weiterhin zum Standard gehören. Apple selbst hat die Unterscheidung zwischen Peek und Pop natürlich bereits in einige Apps integriert.
In Mail zum Beispiel lassen sich Mails mit einem sanften Peek, also dem Auflegen oder kurzen Tappen des Fingers, previewen, wohingegen ein festerer Druck – der Pop – die Mail öffnet. Diese Vorschau-Funktion funktioniert etwa auch beim Surfen in Safari oder wenn Links per Mail verschickt werden. So lässt sich innerhalb von Anwendungen intuitiver agieren und für eine kurze Preview muss die App oder Nachricht nicht extra verlassen werden.
Auf dem Home Screen hat Apple die 3D Touch-Technologie etwas anders implementiert, hier werden Quick Actions auf den festen Druck gelegt, die sich von App zu App unterscheiden. Ein Pop auf Instagram etwa und schon lässt sich aus einem Pop Up-Menü ein neuer Post erstellen oder der Aktivitäts Feed abrufen, iTunes enthält Shortcuts zur Lieblingsmusik, mit der Kamera lässt sich sofort ein Selfie, Foto, Video oder Zeitlupenvideo erstellen und die Liste geht so weiter. Häufig verwendete Optionen oder Nachrichten an die beliebtesten Kontakte sind so nur einen kleinen Tastendruck entfernt. Das ist praktisch und erfordert nur ein klein wenig Umgewöhnung, geht danach aber ganz leicht von der Hand.
Während Apple seine Apps natürlich schon auf 3D Touch umstellen konnte, rüsten die Drittanbieter von Apps derzeit langsam nach. Bei vielen großen Apps wie Instagram oder Twitter funktioniert das schon, kleinere Entwickler werden wohl erst langsam nachrücken. Und natürlich funktioniert die drucksensitive Eingabe auch nur unter iOS 9, das auf dem iPhone 6s (Plus) aber ohnehin standardmäßig installiert ist.

Das steckt hinter Apples neuer 3D Touch-Technologie

 

Der Touchscreen des iPhone 6s unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von dem des Vorgängers, um die 3D Touch-Technologie zu ermöglichen. Wie bisher liegt unter der Glasabdeckung das touchsensitive Retina Display, unter dem sich nun aber Kapazitive Drucksensoren befinden. Diese ermöglichen die Unterscheidung zwischen leichtem und stärkerem Druck. Unter dieser Schicht befindet sich der Taptic Engine, der auch aus der Apple Watch bereit bekannt ist. Dieser liefert ein leichtes haptisches Feedback, dadurch fühlt sich der festere Druck auch tatsächlich wie ein festerer Druck an. Dieses Feedback funktioniert sehr schnell und ist ideal, um sich an die neue 3D Touch-Technologie zu gewöhnen, so hat man jederzeit das Gefühl, mit dem Touchscreen tatsächlich zu interagieren.
Neben den bekannten Menüfunktionen von Apple wurden noch einige andere Neuerungen hinzugefügt, die etwa das Markieren von Text erleichtern. So verwandelt sich die Tastatur bei etwas intensiverem Druck in ein Trackpad, was das zielgenaue Markieren von Text doch um Einiges erleichtert. Auch das Wechseln in die Multitasking-Ansicht, in der jede geöffnete App ein Fenster einnimmt, erfolgt nun durch einen festeren Druck auf die linke Seite des Screens – statt wie bisher über zweimaliges Betätigen des Home Buttons.
Außerdem neu ist die Funktion der Live Photos, die eigentlich kurze Videos sind. Dank der neuen Kamera im iPhone 6s ist es so möglich, neben dem 12 Megapixel Bild auch ein kurzes Video vor und nach der Aufnahme festzuhalten. Ein kurzer Druck auf das Bild erweckt es quasi zum Leben, ansehen lassen sich die Live Photos auch auf Geräten ohne 3D Touch. Die gleiche Technologie steckt auch hinter den dynamischen Hintergrundbildern, die auf Druck ihre Animationsphase starten. Hierzu können eigene Live Photos verwendet werden, es gibt aber auch eine Auswahl von dynamischen Hintergrundbildern.
Weitere Möglichkeiten und beliebte Beispiele zum Nutzen der neuen Technologie sind etwa das drucksensitive Zeichnen oder Anwenden von Pinseln bei der Bildbearbeitung oder die Möglichkeit, in Rennspielen ein analoges Gaspedal unter dem Finger zu haben.
Wie sensitiv die Druckempfindlichkeit des neuen iPhone 6s tatsächlich ist, lässt sich mit der App Plum-O-Meter ermitteln. Diese kleine Spielerei wiegt zwei Pflaumen (oder Obst in ähnlicher Größe, das vollständig auf das Display des iPhones passt) und kann anhand des Drucks die schwerere Frucht bestimmen. Der Druck wird dabei nicht in Gramm angegeben, sondern anhand der Belastung des Drucksensors in Prozent – als Waage taugt das Plum-O-Meter also nicht, zeigt aber einen Ausblick, für welche Spielereien Apples neue Sensoren in Zukunft genutzt werden können. Derzeit funktioniert das Plum-O-Meter aber nur unter iPhones mit Jailbreak.

Bessere Interaktion dank Drucksensoren – kleine, aber wichtige Änderung

Das iPhone 6s wirkt nicht wie eine große Revolution und so hat Apple die neue 3D Touch-Technologie auch nicht vermarktet. Was in der Apple Watch wie eine Notwendigkeit zur Interaktion mit einem uhrengroßen Display wirkte und beim MacBook immer noch eher wie ein Gimmick daher kommt, entfaltet auf dem Bildschirm des iPhone seine volle Wirkung. Die neuen Gesten in die Tiefe wirken sehr schnell sehr intuitiv, das funktioniert sowohl bei den Quick Actions gut, als auch bei den Preview-Funktionen. Es bleibt lediglich abzuwarten, wie schnell (und wie sinnvoll) Drittentwickler es schaffen, Peek, Pop und Quick Actions in ihre Apps zu implementieren.
Was Apple aber hier mit dieser neuen Dimension der Touchgesten-Steuerung abgeliefert hat, wirkt einmal mehr richtungsweisend und lässt die Grenze zwischen Hard- und Software ein kleines bisschen mehr verschwinden. Auch Android-Geräte mit druckempfindlichen Screens wurden bereits angekündigt, was im Gegenzug natürlich auch unabhängige Entwickler dazu motiviert, die Technologie in ihre Apps zu implementieren.

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